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Klima-Allianz KLUG – viele Dilemmata bremsen kindgerechten Klimaschutz aus

 

 

 

Die Klimakrise ist das größte Gesundheitsrisiko für Kinder und Jugendliche. Davon ist die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) schon lange überzeugt. Auch 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen selbst machen sich inzwischen aufgrund der Klimakrise Sorge um ihre Zukunft. Für 2024 besteht daher dringenderer Handlungsbedarf denn je.

 

Die Forderungen von KLUG sind naheliegend, doch derzeit scheinen sie angesichts von Krisen, Kriegen und politischen Krawallen kaum durchsetzbar und finanziell nicht zu schultern.

 

Doch auch das Abwarten auf bessere Zeiten sei keine Alternative, unterstreicht Dr. Antje Herbst, Oberärztin an der Kinderklinik Leverkusen, im Namen von KLUG Denn beim Klimawandel handelt es sich um ein „Thema, das leider nicht mehr weggeht“, die Folgen seien gerade auch in der Kinder- und Jugendmedizin und damit bei Kindern und Jugendlichen deutlich zu spüren. Da Kinder in der Regel sensibler auf Hitzeereignisse als Erwachsene reagierten, nehmen als Folge des Klimawandels Erkrankungen wie Asthma, Übergewicht, Hautkrebs, Infektionskrankheiten eindeutig zu. Aber auch weitergehende Folgeerkrankungen wie psychische Krankheiten (etwa Depressionen) sind zunehmend häufiger zu beobachten.

 

Hier setzt das erste Dilemma an, mit dem die Folgen der Klimakrise ausgebremst werden: Für viel zu viele Kinder und junge Menschen stehen viel zu wenige Pädiater parat. Klimabedingte Krankheiten oder damit verbundene Ängste können damit heute gar nicht so schnell behandelt werden wie notwendig. Und angesichts der demographischen Entwicklung, der Überalterung der Fachgruppe und des fehlenden pädiatrischen Nachwuchses ist keine Besserung in Sicht.

 

Kinder „Hauptverlierer der Klimakrise“

 

Dabei mangelt es nicht einmal an politischer Einsicht. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zählt Kinder und Jugendliche zu den „Hauptverlierern der Klimakrise“. Sie hätten am längsten mit den Folgen zu leben und hätten die wenigsten Möglichkeiten, den Klimawandel zu beeinflussen. Das Thema sei bislang „zu wenig beachtet“, räumt der Minister ein. Doch an dieser Stelle fügt sich das zweite Dilemma nahtlos an Denn die Ampel-Koalition wollte eigentlich im Zuge des Nachtragshaushalts Kredite in den von ihr aufgelegten Klima- und Transformationsfonds zugunsten des Klimaschutzes umwidmen, die zunächst in Höhe von 60 Milliarden Euro für Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie gedacht waren. Dem schob Ende 2023 nun das Bundesverfassungsgericht einen Riegel vor, so dass diese Mittel nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch wenn dies mit anderen Mitteln zum Teil kompensiert werden kann, wird darunter der Klimafonds – und damit auch der Klimaschutz für Kinder und Jugendliche –massiv leiden.

 

Und auch in anderen Bereichen werden die Forderungen des jüngsten KLUG- Positionspapiers nur partiell – möglicherweise sogar gar nicht - umgesetzt werden können. Es beginnt schon bei der Kernforderung von KLUG nach einer „drastischen“ Absenkung der Treibhausgasemissionen. Denn realistisch ist dieser Schritt nur dann, wenn eine „rasche und gerechte“ Energiewende erfolgen würde. Diese wird aber nicht – Dilemma Nummer drei - wie geplant umgesetzt werden können – unter anderem auch wegen der Haushaltskrise, aber auch wegen zu strikter Auflagen und nahezu unüberwindbarer gesetzlicher oder bürokratischer Hürden etwa bei der Aufstellung von Windrädern.

 

Und schließlich hält Antje Herbst einen besserer Hitze- und UV-Schutz in Kitas, Schulen sowie Kinder- und Jugendkliniken für genauso für unabdingbar wie eine bessere Aus- und Fortbildung des dort tätigen Personals zu den Themen Klima- und Gesundheitsschutz. Doch auch hier dürfte der kindgerechte Klimaschutz in nächster Zeit nicht die primäre Rolle spielen, was zu einem weiteren - vierten Dilemma - führt. Angesichts des Fachkräftemangels müssen dort derzeit alle Kräfte mobilisiert werden, um den Alltag zu überhaupt zu bewerkstelligen und zumindest eine Basisversorgung aufrechtzuerhalten. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass dabei die Themen Klima- und Gesundheitsschutz von Kindern auch künftig nicht die oberste Priorität haben werden.