Bei Kindern, bei denen bereits im frühen Alter eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) diagnostiziert wird, erfolgt in vielen Fällen eine medikamentöse Behandlung, wobei unter den Stimulanzien Methylphenidat (MPH) sehr häufig verwendet wird.
Dabei wird zwar immer wieder unter den verordnenden Experten heftig darüber debattiert, wie lange und in welcher Dosis MPH verschrieben werden soll. Außer Acht bleibt dabei jedoch zumeist, welche langfristige Folgen eine längere Einnahme von MPH nach sich zieht. Da lassen nun Daten aus Südkorea aufhorchen. Laut einer retrospektiven Kohortenstudie mit 12.866 Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren wurde bei Einnahme von MPH über einen Zeitraum von 4 Jahren im Erwachsenenalter ein signifikant erhöhter Body-Mass-Index (BMI) festgestellt im Vergleich zu einer Kontrollgruppen von Kindern und Jugendlichen ohne ADHS.
Das Ausmaß der Zunahmen des Körpergewichts hing auch mit der Dauer der Einnahme von MPH zusammen. Bei einer Einnahmedauer von mindestens einem Jahr hatte sich im Schnitt bei Jungen ein BMI von 26 ergeben. Lag die Therapiedauer darunter, belief sich der BMI lediglich noch auf rund 25. Dieser Trend und Dosiseffekt waren auch bei Frauen zu beobachten.
Was hieß das nun konkret für das spätere Erwachsenenalter?
- bei Studienteilnehmern ohne ADHS konnte bei 35 Prozent der Erwachsenen im Untersuchungszeitraum Übergewicht nachgewiesen werden
- bei Probanden mit ADHS lag dieser Anteil bereits bei 43 Prozent (ohne MPH), beziehungsweise 47 Prozent (mit MPH) und sogar bei 51 Prozent(nach Langzeittherapie).
- Insgesamt erhöhte sich nach einer MPH-Therapie in der Kindheit das Risiko, im Erwachsenenalter an Übergewicht und Adipositas zu leiden, um 60 Prozent! Dagegen wiesen Personen mit ADHS und mit einer MPH-Behandlung in der Kindheit im Erwachsenenalter eine – jedoch nicht signifikante - unterdurchschnittliche Körpergröße auf.
Schlussfolgerung. Bei einer längeren Behandlung mit MPH oder anderen Stimulanzien sollte vermehrt darauf geachtet werden, dass sich diese anhaltenden Behandlungen später auch deutlich auf das Gewicht auswirken. Bei den gravierenden Folgen, die eine Adipositas auslösen kann, ist dies kein unwesentlicher Faktor. Das Bewusstsein hierfür sollte daher rasch – bei Patienten und der Ärzteschaft – geschärft werden!